Regensburg: Vertriebene sprechen Klartext


Eingestellt am: 14. Dezember 2008

regensburg-digital berichtet über einen Vortrag von Erich Später über rechtsextreme Strömungen bei den Vertriebenen. Unter den Gästen waren auch Vertreter der Vertriebenenverbände selber, insbesondere der Sudetendeutschen Landsmannschaft. Und, anders als bei anderen Veranstaltungen, gingen diese nicht nach dem Vortrag wutschnaubend aus dem Raum, sondern machten den Fehler, sich öffentlich zu äußern und zeigten so wieder einmal, dass nicht der rechtsetxrem denkende Vertriebenenfunktionär die Ausnahme ist, sondern der nicht-rechtsextreme Vertriebene.

Zum Teil lautstark ist der anschließende Protest der anwesenden Funktionäre. „Sie kommen mir vor, als seien Sie kein Deutscher“, hört man aus der einen Ecke. „Der Altkommunist Wehner hat auch Verbrechen begangen“, aus der anderen. Erhard Lug, Vorsitzender des Witikobundes in Regensburg, ist am lautesten. Erst vor kurzem hat der Verfassungsschutz beim Witikobund „eine Verdichtung von Anhaltspunkten für rechtsextremistische Bestrebungen“ ausgemacht. Bis 1967 wurde diese revanchistische Kaderorganisation mit Überschneidungen zur SL ganz offiziell als rechtsextrem eingestuft. Alle Gründungsmitglieder 1949 waren Mitglieder von NSDAP oder SS. Lugs Schlagworte von „Umerziehung“, den „vielen Schandmalen in Deutschland“ und seine Aufforderung „deutschnational zu denken“ belegen am Mittwoch eindrucksvoll die mehr als fragwürdige Haltung dieses Vereins. Bei offiziellen Terminen posiert [der Regensburger] Oberbürgermeister Hans Schaidinger schon mal mit Lug vor der Kamera. Auch das ist fragwürdig.
Vortrag verärgert fragwürdige Funktionäre, Stefan Aigner, regensburg-digital.de, 12.12.2008


Postdam: Keine Steinbach mehr


Eingestellt am: 04. Juni 2008

An der Universität Potsdam sollte Erika Steinbach, die Präsidentin des Bundes der Vertriebenen, ein Vorlesungsreihe am Historische Institut der Universität Potsdam teilnehmen. Thema der Reihe sollte die „Siedlungsgeschichte der Deutschen in Ostmitteleuropa“ sein.
Der AStA der Uni Potdam und andere politische Gruppen hatte gegen diese Veranstaltungen protestiert.

Der AStA der Universität Potsdam protestiert aufs Schärfste gegen diese Veranstaltungsreihe. „Frau Steinbach hatte 1990 nichts Besseres zu tun, als im Bundestag gegen die Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze zu stimmen. Erst in diesem Jahr legte sie nach und setzte die amtierende polnische Regierung mit deutschen rechtsextremen Parteien gleich. Nicht nur unsere Nähe zur Republik Polen verpflichtet uns zum Protest gegen diese akademische Aufwertung der Positionen von Frau Steinbach“, erläutert Tamás Blénessy, AStA-Referent für Öffentlichkeitsarbeit.
„Es ist schlichtweg eine Geschichtsverfälschung sonder Gleichen, wenn Frau Steinbach vor einem akademischen Publikum ausgerechnet an dem Ort, an welchem 1945 die europäische Nachkriegsordnung im Potsdamer Abkommen festgehalten worden ist, ihre Positionen präsentiert. In dieser Stadt ist kein Platz für RevanchistInnen“, ergänzt Malte Clausen, AStA-Referent für Hochschulpolitik.
[Pressemitteilung des AStA vom 20.05.2008]

Nun, die Proteste waren relativ direkt und erfolgreich. Erika Steinbach wurde offenbar – so de WELT – mit „Wasserbömbchen“ beworfen, dass Auditorium Maximum wurde erfolgreich blockiert; gleichzeitig ging die Polizei offenbar hart gegen die protestierenden Studierenden vor, während sie – so der AStA – von den veranstaltenden Professoren dabei verbal unterstützt wurde. Jetzt hat Steinbach die gesamte Reihe abgesagt, die Unversität ist beleidigt und fordert

… die Studierendenvertreter nachdrücklich dazu auf […] , zu einer Form inhaltlicher Auseinandersetzung zurückzukehren, die akademischen Ansprüchen gerecht wird.
[Medieninformation der Universität Potsdam vom 03.06.2008]

Das ist verogen. Aber immerhin: während Frau Steinbach ansonsten sehr offen ihre Thesen vertreten kann und sich dabei als unverstandene Wahrheitssuchende inszeniert, haben die Studierenden in Potsdam klargemacht, dass sie Steinbachs Thesen sehr wohl politische Aussagen sind und kein Versuch eines akademischen Diskurses. Das die Uni das nicht vorher verstanden hat, ist deren Schuld.


Vertriebenmuseum beschlossen


Eingestellt am: 21. März 2008

Da muss man mal was gegen machen.
Das Bundeskabinett beschloss auf seiner Sitzung vom 19.03. ein „Dokumentationszentrum zu Flucht und Vertreibung“ zu errichten. Einerseits soll Erika Steinbach, die Vorsitzende des Bundes der Vertriebenen nicht daran teilnehmen, außerdem soll das Thema irgendwie in den Kontext des deutschen Nationalsozialismus gestellt werden und auf eine bislang überhaupt nicht bestimmte Weise „Experten“ aus dem Ausland in die Arbeit der Dokumentationszentrums eingebunden werden.1 Gleichzeitig scheint das Kabinett kein Problem damit, der Behauptung, dass es auf deutscher Seite etwas zu gedenken gäbe, zuzustimmen. Und eine Kürzung der Zuschüsse an den Bund der Vertriebenen ist offenbar mit der Entscheidung, ein „Vertriebenemuseum“ einzurichten nicht verbunden.
Kabinett billigt Vertriebenen-Museum

[Ein längerer Artikel folgt zu einem anderen Zeitpunkt.]

  1. Das heißt offenbar, dass es diese Experten noch gar nicht gibt, sondern das die Bundesregierung ein Konzept aufstellt, dass sie sich gefälligst zu beteiligen hätten. Ansonsten machen die Deutschen das wohl alleine und können darauf verweisen, dass die anderen nicht mitspielen sich nicht beiteiligen wollten. [zurück]

Der Staat ist für Vertriebene da


Eingestellt am: 28. Dezember 2007

Eine Meldung, schon etwas älter, wirft ein bezeichnendes Licht auf die Vorstellungswelt der Vertriebenen. Die Preußische Treuhand, in der sich Vertriebene zusammengeschlossen haben, um Polen zu verklagen, nachdem die deutsche Regierung Schröder einigermaßen klar erklärt hatte – gerade so, dass es nicht als Schuldeingeständnis gewertet werden könne sollte –, dass sie die Umsiedlungen nicht als Verbrechen ansehen und die Aufnahme Polens in die EU nicht deshalb behindern würde – ist beleidigt. Sie meint, dass der deutsche Staat sich gefälligst für sie einzusetzen und die Gebiete, aus denen ihre Mitglieder umgesiedelt wurden, von Polen zurück zu verlangen hätte. Und da auch die deutsche Regierung Merkel, bei aller Protegierung und Finanzierung des Bundes der Vertriebenen und der Übernahme großer Teile des Gedankengutes dieser Organisation in die offizielle Gedenkpolitik, dies auch nicht tut, kündigte die Preußische Treuhand Mitte Dezember an, ebendiese Regierung verklagen zu wollen.
Die Regierung würde, so der Vorsitzende der Preußischen Treuhand, Rudi Pawelka, ihre Obhutspflicht gegenüber den Vertriebenen verletzen. Obhutsplicht, dass ist die Pflicht, Personen in Lebenslagen beizustehen. Die Wohnungsbaugesellschaft hat beispielsweise eine Obhutsplicht ihren Mieterinnen und Mietern gegenüber, die Wohnungen und Häuser sicher und bewohnbar zu halten; die Gefängnisleitung oder die Schulleitung haben Obhutsplichten gegenüber den Personen, die ihnen „anvertraut“ sind. Jetzt lässt sich fragen, welche Obhutspflicht die deutsche Regierung gegenüber den Vertriebenen als Gruppe hätte. Real gesehen keine. Die Vertriebenen, so sehr sie sich auch als Opfer aufspielen, sind soweit als möglich in die deutsche Gesellschaft integriert worden, sie sind beispielsweise nach dem Zweiten Weltkrieg gegenüber den Strafverfolgungen der Alliierten beschützt worden – das könnte man, wenn man es ganz eng auslegt, als wahrgenommene Obhutspflicht bezeichnen, auch wenn man es nicht genügend als Kontinuität der nationalsozialistischen Verbrechen diskreditieren muss.
Doch Vertriebene denken anders, auch wenn ein Teil des Bundes der Vertriebenen versucht, dies heute unverfänglicher darzustellen. Die Vertriebenen sind diejenigen Umgesiedelten, welche den Rassekonstrukten des Nationalsozialismus auch nach ihrer Umsiedlung und Integration in die bundesdeutsche Gesellschaft anhingen und weiter anhängen. Sie sehen sich als so etwas wie „Volksgruppen im Exil“. Dies motiviert ihre gesamte Politik, ihre Organisation in Landsmannschaften, ihr Traditionsgehabe. Die einzelnen Landsmannschaften seien, so die Überzeugung, nur vorübergehend in Deutschland – quasi solange, bis sich die Niederlage des deutschen Faschismus ausgesessen sei. Solange hätte die deutsche Regierung für diese Gruppen zu sorgen und anschließend alles zu tun, dass sie in „ihre Gebiete“ zurückkehren könnten. Deshalb war es – im Gegensatz zu allen Behauptungen von den Integrationsleistungen, die der Bund der Vertriebenen heute als seine Politik in der alten BRD anführt – Grundüberlegung der Vertriebenen, dass sich die einzelnen Landsmannschaften „rein zu halten“ hätten. Eine Landmannschaft repräsentiert ein Volk, welches auf ein Gebiet gehört – so der rassistische Grundsatz. Alles andere würde dieses Volk kaputtmachen. (Und deshalb ist genaugenommen die Integration des Großteils der Umgesiedelten in die deutsche Gesellschaft historisch gesehen ein riesiger Misserfolg der Vertriebenen.)
Aus diesem Gedanken motiviert sich auch die ansonsten vollkommen unsinnige Klage und der Standpunkt der Preussischen Treuhand: Die deutsche Regierung sei so etwas wie ein Exilgeber, der die Aufgabe hätte, die Vertriebenen wieder dort anzusiedeln, von wo sie nach 1945 umgesiedelt wurden.

Es gibt keine Obhutspflicht gegenüber den Vertriebenen. Sie sind aufgrund der deutsche Verbrechen und aufgrund der Rassekonstrukte, die sie als Vertriebene immer noch verfolgen, umgesiedelt worden. Die deutsche Regierung, so sehr sie auch die Vertriebenen ansonsten unterstützt und so sehr sie – wenn wir die Terminologie einmal aufnehmen – die Obhutsplicht gegenüber anderen Menschen, namentliche Migrantinnen, Migranten, Armen, Gehandicapten und anderen systematisch verletzt, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr hinter ihre heutige Haltung, dass die Umsiedlungen geschehen und nicht mehr rückgängig gemacht werden können und sollen, zurückgehen. Aber schon die Ankündigung der Klage durch Pawelka – immerhin auch Bundesvorsitzender der Landsmannschaft Schlesien – zeigt wieder einmal, dass hinter dem angeblich unpolitischen Eintreten der Vertriebenen für – zu großen Teilen angebliche – Traditionen, nichts anderes als rassistische Konstrukte stehen.


Tusk: Vertriebenenzentrum nein. Alles andere diskutabel


Eingestellt am: 12. Dezember 2007

Das hatte sich der Bund der Vertriebenen gewiss anders vorgestellt. Lange hatte man die Ablehnung des „Zentrum gegen Vertreibung“, wie es die Vertriebenen planen, durch Polen als innenpolitischen Schachzug des Ministerpräsidenten Jarosław Kaczyński erklärt. Dieser, so behauptet der Bund der Vertrieben bzw. ihre Vorsitzende Erika Steinbach, immer wieder, wolle nur Gefühle gegen Deutschland anheizen, wenn er das Konzept der Vertriebenen ablehnte. Und das würde er auch nur tun, um sich Stimmen zu sichern. Hingegen würde ein Großteil der Polen und Polinnen das Geschichtsbild der Vertriebenen teilen und hätten nichts gegen Deutschland. Wobei in diesen Behauptungen die Vertriebene und Deutschland gleichgesetzt wurde.
Aber all dies würde mit einem neuen Ministerpräsidenten aufhören, so die Behauptung. Deshalb freute sich der Bund der Vertriebenen auch, als Kaczyński abgewählt wurde und stattdessen Donald Tusks Partei die letzten Parlamentswahlen gewann. Das die polnischen Wählerinnen und Wähler so wählten, konnte sich die Vertriebenen offenbar nur als Zustimmung zu ihrer Position vorstellen.
Jetzt fanden die ersten Gespräche zwischen Tusk und der deutschen Kanzlerin über die weitere von Polen und Deutschland Zusammenarbeit statt. Viel wurde von einem Neuanfang, von guter Zusammenarbeit und ähnlichem geredet. Aber eines stellte der polnischen Ministerpräsident doch sehr klar, obwohl die Kanzlerin es schnell relativierte und auch er sich diplomatisch ausdrückte. Ein „Zentrum gegen Vertreibung“, gar noch unter Beteiligung der Vertriebenen, wird es auch mit ihm nicht geben.

Der Antrittsbesuch des polnischen Ministerpräsidenten Donald Tusk in Berlin hat etwas Bewegung, aber keine Lösung in der deutsch-polnischen Auseinandersetzung um das geplante Vertriebenenzentrum in Berlin gebracht. Bundeskanzlerin Angela Merkel bezeichnete Tusks gestern gemachten Vorschlag, statt des Vertriebenenzentrums ein internationales Museum zur Geschichte des Zweites Weltkrieg in Danzig einzurichten, als ‚‘interessante Idee'‘. […]
Der polnische Regierungschef begrüßte angesichts der in Polen höchst umstrittenen Haltung des Bundes der Vertriebenen, dass das Zentrum nicht von diesem, sondern durch die Bundesregierung geplant werde. Ausdrücklich lehnte Tusk eine Rolle der Vertriebenen-Präsidentin Erika Steinbach als Gremienmitglied des geplanten Dokumentationszentrums ab: ‚‘Von solchen Projekten, die uns verbinden sollen, sollten solche Personen fern gehalten werden, von denen wir nicht auf beiden Seiten der Grenzen überzeugt sind,'‘ erklärte Tusk.
[Quelle: swr]

Einige weitere Artikel zum Treffen:
- Noch kein Problem gelöst, aber ersten Schitt getan, Gießener Anzeiger, 12.12.2007
- Nur miteinander, Martin Ferber erwartet das Ende der zweijährigen Eiszeit in den deutsch-polnischen Beziehungen, MorgenWeb, 12.12.2007
- „Auf gute Zusammenarbeit“, Von unserem Korrespondenten Martin Ferber, MorgenWeb, 12.12.2007
- Die deutsch-polnische Eiszeit ist vorbei: Regierungschef Tusk für Gedenkstätte
in Danzig, von Reinhard Brennecke
, Tagesspiegel, 12.12.2007
- Versöhnliche Töne zwischen Warschau und Berlin, Tagesspiegel, 12.12.2007
- Neuer Aufbruch in deutsch-polnischen Beziehungen, Hamburger Morgenpost, 11.12.2007
- Deutsch-polnische Entspannung in Berlin, pr-inside, 11.12.2007
- Regierungen wollen Neuanfang in deutsch-polnischen Beziehungen: Antrittsbesuch von Donald Tusk in Berlin, Deutschlandfunk, 11.12.2007


Mit Ungarn gegen die Slowakei


Eingestellt am: 19. November 2007

German Foreign Policy berichtet über eine Gedenkveranstaltung in Budapest, bei der die umgesiedelten Ungarndeutschen Thema waren. Diese Veranstaltung ist nur eine weitere Aktion im Rahmen der Zusammenarbeit zwischen deutschen und ungarischen revistionistischen Strömungen in den jeweiligen Parlamenten. Beide hoffen darauf, dass die sogenannten Beneš-Dekrete aufgehoben werden. Genaueres findet sich im Artikel Ein besonderes Verhältnis.


Tusk: ja, nein, vielleicht


Eingestellt am: 07. November 2007

Donald Tusk, designierter polnischer Ministerpräsident, hat es in Bezug auf Deutschland nicht einfach, abgesehen von allem anderen, was er inner- und außenpolitisch zu tun hat. Die Debatte um das Zentrum gegen Vertreibung – oder wie es auch immer heißen soll – in Deutschland führt dazu, dass ständig darauf geschaut wird, wie er sich den Vertriebenen gegenüber verhalten wird. Und die Deutschen wollen, dass alles anders wird, als unter der bisherigen Regierung, welche bekanntlich eine explizit ablehnende Politik gegen die Vertriebenen gefahren hat und dafür auch oft genug von deutscher Seite aus beschimpft wurde.
Tusk ist diplomatischer. Seine Haltung scheint an die aktuellen Entwicklungen in Deutschland anzuknüpfen. Doch gefallen dürfte das den Vertriebenen immer noch nicht. Nach einem Artikel in der Tageszeitung Die Welt äußerte er sich nun wie folgt:

Das Zentrum müsse auf der „historischen Wahrheit“ beruhen, forderte er. Den Forderungen des Bundes der Vertriebenen (BdV) erteilte er dagegen eine klare Absage. Sollte das Projekt von deren Vorsitzender Erika Steinbach geleitet werden, werde Warschau es nicht akzeptieren.

Nachtrag, 8.11.2007
Etwas direkter in einem Artikel der FAZ [Zurück zum Geist der Ära Kohl, von Konrad Schuller, FAZ, 8.11.2007]:

Bei der Erinnerung an die Vertreibung gab sich Tusk einerseits gesprächsbereit: Er werde als Ministerpräsident „gesellschaftliche Initiativen“ begrüßen, die – etwa in einem „europäischen Netzwerk-Projekt“ – die Erinnerung an „alle Vertreibungen in diesem Teil der Welt“ wachhielten. Andererseits aber dringt er darauf, in diesem Zusammenhang auch daran zu erinnern, „wer für den Zweiten Weltkrieg verantwortlich war“. Dies aber sei mit dem „schlechten“ Ansatz des Bundes der Vertriebenen und seiner Präsidentin Erika Steinbach nicht möglich. „Bitte hoffen Sie in diesem Punkt nicht auf einen Wechsel der polnischen Position.“
Auch in Bezug auf die Entschädigungsforderungen der Vertriebenenorganisation „Preußische Treuhand“ präsentiert Tusk mit sanften Worten harte Positionen. Die Brüder Kaczynski hatten hier noch verlangt, die deutsche Regierung müsse diese Forderungen selbst befriedigen, und für den Weigerungsfall hatten sie zeitweise mit Reparationsklagen gedroht. Tusk dagegen betonte am Dienstag zunächst, wie sehr ihn freue, dass Bundeskanzlerin Merkel und Präsident Köhler sich von den Klagen der „Treuhand“ distanziert hätten – dann aber kehrt auch bei ihm der Kaczynskische Appell an Berlin wieder: Auch unter seiner Regierung erwarte Polen, dass Deutschland für die Forderungen der Vertriebenen „Verantwortung übernimmt“. Deutschland müsse seine „Aktivitäten zum Stopp der Klagen“ intensivieren.


Dokumentationszentrum: Ein bisschen Streit


Eingestellt am: 29. Oktober 2007

Das war vorhersehbar. Die Ankündigung der Bundesregierung, ein Dokumentationszentrum über die „Vertreibungen der Deutschen“ einzurichten, dabei aber den Bund der Vertriebenen draußen zu halten, führt zu einigem Dissens. Wie dieser ausgeht, bleibt abzuwarten. Festgehalten werden kann allerdings, dass die Grundforderung der Vertriebenen – nämlich als Opfergruppe anerkannt zu werden – erfüllt wird.
Gleichzeitig scheint des Dissens über die Beteiligung oder Nicht-Beteiligung der Vertriebenen aktuell auch zur Abgrenzung von SPD und Union im Rahmen der großen Koalition zu dienen. Die einen (SPD und auch die Grünen, die ja auch auf eine Regierungsbeteiligung nach der nächsten Bundestagswahl hoffen) stellen sich größtenteils gegen die Beteilung; die anderen (Union) sind, wenn sie sich äußern, meist dafür. Aber noch haben sich lange nicht alle geäußert.

Naja
Der Satiriker des Kölner Stadtanzeigers, Tobias Kaufmann, hat zum gleichen Thema eine Mail an Erika Steinbach geschrieben. Recht hat er. Aber ob das Witzig ist, kann man diskutieren.
Email von Kaufmann: Erika Steinbach, Kölner Stadtanzeiger, 26.10.2007

Nachtrag, zuletzt 06.11.2007


Vertriebene kriegen ein Dokumentationszentrum, teilweise


Eingestellt am: 24. Oktober 2007

Der Bund der Vertriebenen wünscht sich seit Jahren ein Zentrum gegen Vertreibung. Er wünscht es sich von der Bundesregierung. Den so funktionieren die Vertriebenenverbände seit ihrer Gründung: sie machen die politische Arbeit, aber bezahlt wird das hauptsächlich von staatlichen Stellen.
Wie dieses Zentrum inhaltlich aussehen sollte, hatten die Stiftung Zentrum gegen Vertreibung schon in ihrer Ausstellung Erzwungene Wege gezeigt. Die Deutschen als Opfer, der historische Vorlauf der Umsiedlungen zusammengestrichen in einem Raum und präsentiert als unabwendbare Katastrophe. Abgeschlagen in der Ecke die Darstellung realer Genozide und ethnischer Säuberungen – hauptsächlich um die Umsiedlungen als eben solche erscheinen zu lassen. Dafür wurde die Gründung von völkisch organisierten Landsmannschaften, die sich in ihrer Gründungszeit in dieser Form organisierten, da sie sich als Völker im Exil ansahen, die sich reinhalten müssten und demnächst wieder auswandern würden, ernsthaft als Beitrag zur Integration der Umgesiedelten in die bundesdeutsche Gesellschaft dargestellt. So ungefähr soll auch das Zentrum gegen Vertreibung aussehen.

Immer wieder sah es für die Vertriebenen gut aus. Zuletzt wurde im Koalitionsvertrag der CDU/CSU und der SPD zur Regierungsbildung 2005 eine Passage veröffentlicht, die vom Bund der Vertriebenen als Zustimmung zum Zentrum gegen Vertreibung interpretiert wurde. Die Formulierung lautet etwas anders:

Die Koalition bekennt sich zur gesellschaftlichen wie historischen Aufarbeitung von Zwangsmigration, Flucht und Vertreibung. Wir wollen im Geiste der Versöhnung auch in Berlin ein sichtbares Zeichen setzen, um – in Verbindung mit dem Europäischen Netzwerk Erinnerung und Solidarität über die bisher beteiligten Länder Polen, Ungarn und Slowakei hinaus – an das Unrecht von Vertreibungen zu erinnern und Vertreibung für immer zu ächten. [Quelle, S.133]

Trotzdem behauptete gerade Erika Steinbach, als Vorsitzende des Bundes der Vertriebenen und der Stiftung für das Zentrum, dass dieses demnächst eröffnet würde.
Nun wird es vielleicht etwas anders kommen. Lange ließ die Bundesregierung nichts konkretes über das Projekt selber hören. Nun soll laut der Süddeutschen Zeitung Kulturstaatsminister Bernd Neumann bis Ende des Jahres eine Konzept für ein Dokumentationszentrum vorlegen. Viel ist immer noch nicht bekannt, aber zwei Dinge scheinen ausgemacht:

  1. Die Annahme der Vertriebenen, dass es etwas zu gedenken gäbe bei diesen Umsiedlungen und der revisionistischen Politik der Vertriebenen, wird auch von der Bundesregierung geteilt. Inwieweit dieses Gedenken in einen historischen Kontext eingebunden sein wird, steht noch nicht fest.
  2. Die Vertriebenen, insbesondere Erika Steinbach, werden nicht an diesem Dokumentationszentrum beteiligt sein. Dies ist eine Abkehr vom Vorgehen der bundesdeutschen Politik seit 1949. Bisher konnten die Vertriebenen den Umgang mit ihrer Geschichte immer selber bestimmen. Sie saßen in den Gremien, die bestimmten die Feindstaaten, sie etablierten mit ihrer Kampagne gegen die sogenannten Beneš-Dekrete einen Topos, der weithin aufgegriffen wurden. Deshalb betrachteten sie es auch als selbstverständlich, das Zentrum gegen Vertreibung zu dominieren. Was die Entscheidung, die Vertriebenen draußen zu halten, für die Konzeption des Dokumentationszentrum bedeutet, ist allerdings noch nicht klar. Bisher wollen sie dies noch nicht wahrhaben.

Presse


Redebeiträge, 22.10.2007


Eingestellt am: 23. Oktober 2007

Die Redebeiträge, die am 22.10.2007 auf der Kundgebung gegen den 50. Jahrestag des Bundes der Vertriebenen gehalten wurde, finden sich im Archiv hier.
* Die Geschichte des Bund der Vertriebenen, Antifa Prenzlauer Berg
* Die Politik des Bundes der Vertriebenen, Webprojekt “Feindesland”
* Get out of our way!!!, desperados.berlin
* Fremdbestimmte Selbstbestimmung, Webprojekt “Feindesland”